Künstler Paul Kleinschmidt – Leben, Werk und künstlerisches Profil

Paul Kleinschmidt (1883-1949)

Biografie & Künstlerisches Profil

Paul Willy Karl Kleinschmidt wurde am 31. Juli 1883 in Bublitz in Pommern geboren. Er war das jüngste Kind des Theaterdirektors Julius Kleinschmidt und der Schauspielerin Rosa Kleinschmidt (geb. Herting). Die frühe Kindheit war durch das Wanderleben der Theaterfamilie geprägt, bevor diese später nach Halle an der Saale und schließlich nach Berlin zog.
 

Ausbildung, frühe Jahre und künstlerischer Aufbruch

Seine Ausbildung begann er an der Akademie der Künste in Berlin bei Anton von Werner. Nach Differenzen mit dem Lehrer wechselte er an die Münchner Akademie, wo er zunächst Grafik bei Peter Halm und anschließend Malerei bei Heinrich von Zügel studierte. Ein prägender früher Kontakt entstand zur Malerei von Lovis Corinth, mit dem Kleinschmidt 1903 auch zeitweise im selben Atelier arbeitete.

Früh bewegte er sich im Umfeld der Berliner Kunstszene und nahm 1909 an der 18. Ausstellung der Berliner Secession teil. In dieser Zeit ermutigte ihn der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, in seiner Malerei mutiger zu werden. Dieser spielte zudem eine wichtige vermittelnde Rolle, indem er sowohl die Sammler Wilhelm und Martin Bilger in Ulm als auch den amerikanischen Kunstsammler Erich Cohn auf sein Werk aufmerksam machte.

Im Ersten Weltkrieg wurde Kleinschmidt eingezogen und unter anderem im Feuerwehrdienst eingesetzt. Nach einer Gasvergiftung wurde er 1915 aus dem Fronteinsatz entlassen. Im selben Jahr heiratete er Margarete Tretzel; das Paar bekam zwei Töchter.

In den 1920er-Jahren arbeitete Kleinschmidt als freier Maler und Grafiker und stellte regelmäßig in Berlin aus. 1923 fand seine erste Einzelausstellung mit Druckgrafik und Gemälden in den Räumen des Euphorion-Verlags statt. Diese Präsentation wurde in der zeitgenössischen Presse positiv aufgenommen. 1925 folgte eine zweite Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt.
 

Verfolgung, Exil und die letzten Lebensjahre

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde einige seiner Werke als „entartet“ diffamiert. Dennoch wurden seine Arbeiten weiterhin international gezeigt, insbesondere in den USA.

In den folgenden Jahren lebte er an verschiedenen Orten in Europa, darunter in der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich. 1943 erfolgte seine zwangsweise Rückführung nach Deutschland.

Die Kriegsjahre führten zu erheblichen Verlusten seines Werkes durch Zerstörung. Nach 1945 lebte Kleinschmidt in Bensheim und bemühte sich um die Anerkennung als politisch Verfolgter, die ihm jedoch verwehrt blieb.

Paul Kleinschmidt starb am 2. August 1949 in Bensheim.


Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit – Paul Kleinschmidts künstlerisches Profil

Kleinschmidt bewegte sich stilistisch zwischen Expressionismus, Realismus und Neuer Sachlichkeit. Im Vergleich zu Zeitgenossen wie Max Beckmann, Otto Dix und George Grosz entwickelte er eine eigenständige Position, die sich durch eine sozialkritisch lesbare, zugleich stark malerisch geprägte Bildwelt auszeichnet. Julius Meier-Graefe bezeichnete Kleinschmidt als den „proletarischen Rubens“ und als „Hymniker“ der Berliner Nachkriegszeit. Damit hob er die expressive, körperlich präsente und zugleich erzählerische Kraft seiner Malerei hervor.

Sein Frühwerk ist vor allem durch grafische Arbeiten und Illustrationen geprägt. Ab den 1920er-Jahren verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Ölmalerei, in der er Figurenbilder, Landschaften und Stillleben in verdichteter, farbintensiver Formensprache entwickelte. Paul Kleinschmidt interessierte sich weniger für idealisierte Schönheit als für die Wirklichkeit des modernen Menschen. Seine Bilder zeigen Menschen in Cafés, Bars, Varietés, auf Jahrmärkten oder im Zirkus – Orte des städtischen Lebens, an denen sich Lebensfreude, Einsamkeit, Wohlstand und soziale Gegensätze begegnen.

Trotz Verfolgung, Emigration, Kriegsschäden und Krankheit ist ein umfangreiches Werk überliefert. Es umfasst mehr als 430 Ölgemälde, rund 350 Aquarelle und Gouachen sowie über 300 Zeichnungen; die Druckgrafik ist dabei nicht eingerechnet.

Sein Werk gehört heute zu den bedeutenden Beiträgen der deutschen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts und ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. 

Galerie

Die Galerie gibt Einblicke in das vielseitige und ausdrucksstarke Werk Paul Kleinschmidts.

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